75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – Beschämend für unser Land, dass jüdische Einrichtungen wieder Polizeischutz brauchen

31. Januar 2020

75 Jahre ist es her, dass Auschwitz befreit wurde. Am 29. Januar eröffnete Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble im Paul-Löbe-Haus die Ausstellung „David Olère. Überlebender des Krematoriums III“, der mit seinen Bildern an die Zeit im KZ Auschwitz erinnert. Die Zeichnungen und Gemälde sind in ihrem Realismus schwer zu ertragen. Die grausame Wirklichkeit in den Nazi-Vernichtungslagern habe ich noch nie so eindrücklich vor Augen gehabt. Die Ausstellung wurde vom Zentrum für verfolgte Künste in Solingen in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau organisiert. Jürgen Kaumkötter, Direktor des Solinger Zentrums, ist es gelungen, mit Olères Bildern den Betrachtern authentische Szenen aus dem KZ nahezubringen. Die Zeichnungen und Bilder spiegeln die Realität auf grausame Art wider, sind sie doch eine der wenigen Bildquellen der Ereignisse im KZ. Ich bin dankbar, dass das Solinger Zentrum für verfolgte Künste hier in Berlin mit dieser Ausstellung präsent ist.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung fand im Bundestag ein würdevolles Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt, bei dem Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Staates Israel, Reuven Rivlin, die Gedenkreden gehalten haben. Ich habe Präsident Rivlin bereits im Jahre 2017 kennen lernen dürfen.

75 Jahre nach Auschwitz, nach großherzigen Gesten vieler Opfer gegenüber uns Deutschen und angesichts guter Beziehungen Deutschlands zum Jüdischen Staat Israel ist der Gedenktag für mich dennoch nicht frei von einem Gefühl der Scham. Es ist beschämend, dass heute wieder jüdische Einrichtungen in Deutschland unter Polizeischutz stehen müssen. Der mörderische Anschlag auf die Synagoge in Halle, der Brandanschlag 2014 auf die Bergische Synagoge in Wuppertal, immer wiederkehrende Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen und Pöbeleien gegen jüdische Mitbürger hindern Jüdinnen und Juden in Deutschland, ein freies und unbeschwertes Leben zu führen. Das belastet mich zutiefst. Es ist unsere wichtigste Aufgabe, dem Antisemitismus von rechts und links mit Zivilcourage und der ganzen Härte des Gesetzes zu begegnen und vor allem junge Menschen jeder Herkunft und Glaubensrichtung besser als bisher zu einem toleranten Miteinander zu erziehen.

Bild ©JürgenHardt:

Jürgen Hardt MdB, Anne Henk-Hollstein (Vors. Landschaftsversammlung Rheinland u. Landschaftsausschuss LVR), Ulrike Lubek (Direktorin LVR), Jürgen Kaumkötter (Direktor des Zentrums für verfolgte Künste Solingen), v.l.n.r.