Mit Bundestagspräsident Lammert in Albanien und Ungarn

29. April 2016

Anlässlich des 25. Jahrestages der ersten freien Wahlen in Albanien sprach Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert vor dem albanischen Parlament. Außerdem hatten wir gemeinsam die Gelegenheit zu Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten Rama und dem Staatspräsidenten Nishani. Albanien drängt auf die Eröffnung von Verhandlungskapiteln für den Beitritt zur EU. Wir machten deutlich, dass vor einem solchen Schritt, Albanien zunächst seine nachhaltigen Reformen vollenden muss. Zwar sehe ich Albanien auf einem guten Weg – in diesem Land leben Menschen verschiedener Regionen friedlich und tolerant miteinander – doch bis zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist es noch ein weiter Weg.

Im Anschluss an den Besuch in Tirana reisten wir weiter nach Budapest, um am Freitagnachmittag an den Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des verstorbenen ungarischen Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész teilzunehmen. Der Holocaust-Überlende, der als 15-Jähriger von Budapest nach Auschwitz und dann nach Buchenwald verschleppt wurde, war am 31. März im Alter von 86 Jahren verstorben.

Kertesz hatte von 2002 bis 2012 in Berlin gelebt und 2007 am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Deutschen Bundestag eine bewegende Rede gehalten. Lammert war gebeten worden, bei dem sich an die Trauerfeierlichkeiten anschließenden Empfang eine Ansprache zu halten. Der Bundestagspräsident erinnerte daran, dass Kertész sich lange vor den aktuellen Entwicklungen in Europa sicher gewesen sei, dass Europa die Welt noch überraschen könnte, „wenn es eindeutig und unerschütterlich für die eigenen Werte eintreten würde.”

Bei diesem Besuch hatten wir Gelegenheit zu einem kurzen Zusammentreffen mit Ministerpräsident Viktor Orbán und zu einem langen ergiebigen Abendessen mit Minister Zoltán Balog. Vieles von dem, was es zwischen Deutschland und Ungarn an Unstimmigkeiten gibt, relativiert sich im persönlichen Gespräch doch erheblich.

Foto: ©Franc Zhurda