ÖPNV: 365-Tage-Ticket

8. September 2022

Ich plädiere für ein 365-Euro-Ticket, bundesweit gültig und verpflichtend für alle.

Ich bin seit vielen Jahren, auch als Diplom-Volkswirt, der Überzeugung, dass der Nutzen von Öffentlichem Personennahverkehr nicht nur bei denen liegt, die den Bus oder den Zug nutzen. Selbst wenn jemand nur das Auto nutzt, kostet ihn das zwar trotzdem 365 Euro im Jahr. Sein Nutzen, wenn er mit dem Auto in die Stadt fährt, ist aber deutlich höher als ein Euro am Tag, weil die Straßen weniger stark befahren wären und es wieder mehr Parkplätze gäbe, wenn mehr Menschen Bus und Bahn nutzten. Auch Radfahrer würden ein solches Ticket sicher oft nutzen, beispielsweise bei schlechtem Wetter und im Winter. Genau umgekehrt argumentieren wir ja auch beim steuerfinanzierten Autobahnbau, der auch eine Erleichterung für den Verkehr in den angrenzenden Gemeinden mit sich bringt.

Ausnahmen und Abstufungen sollte es beim 365-Euro-Ticket für Kinder, Senioren und finanziell schlechter gestellte Menschen geben. Aus meiner Sicht zählen natürlich auch Schüler, Studierende und auch Bufdis dazu.

Dieses 365-Euro-Ticket böte ca. 20 Milliarden Euro Einnahmen durch Fahrgelder jährlich, wenn man davon ausgeht, dass Kinder bis 12 Jahren nichts zahlen, Schüler/Studenten/Azubis und Sozial Schwache/Rentner einen niedrigen monatlichen Beitrag von 15 Euro, ungefähr die Häfte der Bevölkerung den vollen Beitrag von 30 Euro im Monat. Mit dem jährlichen Überschuss von ca. sechs bis sieben Milliarden Euro könnten wir den Ausbau der Infrastruktur im ÖPNV vor allem im ländlichen Raum vorranbringen.

Für internationale Geschäftsreisende oder Touristen könnte es niedrigschwellige Angebote für Wochen- oder Monatstickets geben.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen bei diesem „Ticket für alle“ den ÖPNV überhaupt nicht nutzten. So kann auch der gewünschte Effekt erzielt werden, dass Menschen häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Dieses Ticket kann als staatliche Abgabe definiert werden – ähnlich unseres Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk-Beitrags. Leider sehe ich im Augenblick nicht, dass sich dieser Plan durchsetzt. Dennoch setze ich mich dafür ein.

Bild: Pixelio_Gecko