Speaker Paul Ryan in Deutschland

15. April 2016

Der Mehrheitsführer und damit zugleich Präsident (“Speaker”) des Repräsentantenhauses der USA, Paul Ryan war letzte Woche in Berlin. Der Bundestagspräsident, Dr. Norbert Lammert, hatte mich eingeladen an seinem Gespräch mit Ryan und seiner Delegation aus Washington teilzunehmen. Beim anschließenden Abendessen in der Residenz des US-Botschafters John B. Emerson war zusätzlich Raum, mit den Kolleginnen und Kollegen aus den USA den Dialog zu vertiefen.

Paul Ryan, Jahrgang 1970, ist erst seit wenigen Monaten in diesem neuen Amt und damit protokollarisch die Nummer drei in den USA, nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten, der ja zugleich auch Vorsitzender des US-Senats ist.

Seine erste Reise in neuer Funktion in den Nahen und Mittleren Osten endete mit dem ersten und einzigen Stopp in der EU – bei uns in Berlin. Das unterstreicht die Bedeutung, die Deutschland als starke Kraft innerhalb der EU seitens der USA zugeordnet wird.

Mich hat der Republikaner Paul Ryan, der ja vor vier Jahren bereits Vizepräsidentschaftskandidat seiner Partei war, durch seine Art beeindruckt: Keine politischen Floskeln, sondern klare glaubwürdige Aussagen. Ein klares Bekenntnis zum Freihandel. Natürlich die Forderung an Deutschland nach mehr Verantwortungsübernahme in der Außen- und Sicherheitspolitik. Jedoch auch großes Verständnis und Anerkennung für die Leistung Deutschlands in der Flüchtlingsfrage und in der Krisendiplomatie. Auch die Kollegen anderer Parteien, die am Abendessen teilnahmen, waren wohl von diesem etwas anderen Typus eines Republikaners angetan.

Paul Ryan wird kraft Amtes die Aufstellungsversammlung der Republikaner für den Präsidentschaftskandidaten leiten. Eine eigene Kandidatur hat er für dieses Jahr zwar ausgeschlossen, doch bereits bei meinem letzten Besuch in Washington fiel mir auf, wie stark gerade jüngere Republikaner auf dem Hill auf Ryan setzen, der in seiner Faktion wohl auch einen neuen Stil der Diskussionsoffenheit eingeführt hat. So wundert es mich nicht, dass amerikanische und europäische Medien den Namen Ryan zunehmend nennen, wenn es um eine Kompromisslösung im Streit um die Kandidatenfrage geht.

Foto: ©juergenhardt.de