Sterbebegleitung

14. November 2014

Die Diskussion um das Thema Suizidbeihilfe bewegt die Menschen in unserem Lande. Gestern hat hierzu eine erste „Orientierungsdebatte“ im Bundestag stattgefunden, die erwartungsgemäß sehr emotional geführte wurde. Einigkeit besteht darüber, dass auch das Leben eines todkranken Menschen, dessen natürlicher Tod unmittelbar bevorsteht, lebenswert sein kann. Menschliche Zuwendung auch in dieser Phase des Lebens, umfassende medizinische Versorgung ohne Abstriche sowie gute psychologische und seelsorgerische Begleitung sind hierzu erforderlich und müssen ausgebaut werden. Ganz wesentlich ist auch eine Schmerzmedizin, die Schmerzen drastisch mindert oder gar ausschaltet. Dieser Sektor der Medizin muss weiterentwickelt werden. Wir sollten auch die Gesetze so ändern, dass Medizin, die unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, besser angewendet werden kann. Gleichwohl kann es in der letzten Lebensphase Situationen geben, vor der wir uns alle fürchten: Die Krankheit macht Schmerztherapie unwirksam. Der Mensch ist unfähig, die Augen zu schließen. Ich möchte diese Liste von Krankheitsfolgen, die glücklicherweise selten sind, gar nicht weiter fortsetzen. Es gibt aber eben Fälle, in denen das Sterben zur Folter wird. Und hier ist die selbstbestimmte Entscheidung für einen Suizid nachvollziehbar. Ihr muss stattgegeben werden. Suizid oder Beihilfe zum Suizid durch Angehörige sind in Deutschland nicht strafbar. Einzig für Ärzte gibt es ein Problem: Ausgerechnet sie, denen man doch in den letzten Stunden des Lebens die größte Sachkunde zusprechen kann, dürfen dem Sterbenden nicht bei seinem Suizid helfen. Das Standesrecht verbietet es ihnen in vielen Teilen unseres Landes. So entsteht die irrsinnige Situation, dass ein Arzt in Essen Beihilfe zum Suizid in besonderen Fällen leisten darf. In Bochum hingegen nicht. Das Positionspapier meines Kollegen Peter Hintze sowie anderer Kollegen auch aus anderen Fraktionen will diese für Ärzte, Patienten und Angehörige belastende Rechtsunsicherheit beseitigen. Ich kann mir gut vorstellen, diesen Antrag mit zu unterstützen, wenn es Anfang nächsten Jahres zur Abstimmung kommt. Jede Form von gewerbsmäßiger Sterbehilfe lehne ich ab. Die Arbeit der Sterbehilfevereine will ich, anders als z.B. Teile der Grünen, untersagen. Auch soll kein Arzt gezwungen werden, Hilfe beim Suizid zu leisten. Es im Einvernehmen mit seinem Patienten zu tun bleibt die freie Gewissensentscheidung beider. Sterbehilfe für Menschen, die sich nicht in einer wie oben geschilderten ausweglosen Situation befinden, lehne ich ab. Die wenigsten Menschen haben Angst vor dem Tod. Aber die meisten Menschen haben Angst vor dem Sterben. Mit einer Veränderung der Rechtslage können wir den Menschen die Angst davor nehmen, dass der begleitende Arzt sie in einer grausamen Lebenssituation im Stich lassen muss. Das Ja zum Leben wird so auch für Todkranke wieder leichter. Denn in der Hoffnung auf ein Sterben in Würde können sie sich entschließen, den natürlichen Weg des Lebens bis zum Ende zu gehen. Foto: ©Jetti Kuhlmann, pixelio.de