Wahl zur Bundeskanzlerin

14. März 2018

Zum vierten Mal und damit genauso oft wie Konrad Adenauer und Helmut Kohl ist Angela Merkel wieder zur Bundeskanzlerin gewählt worden. Ich habe ihre politische Laufbahn aus verschiedenen Perspektiven erlebt: Im Februar und März 1990 bin ich ihr kurz im Rahmen des Volkskammerwahlkampfes in der DDR begegnet. Sie war damals eine der Sprecherinnen des “Demokratischen Aufbruchs”. Später als Büroleiter des Generalsekretärs der CDU und Protokollant im Präsidium erlebte ich sie in den spannenden Jahren in der Endphase der Regierung Helmut Kohl. Als Kreisvorsitzender und Delegierter zum Parteitag sah ich sie als CDU-Vorsitzende, Oppositionsführerin und Bundeskanzlerin. Seit 2009 hatte sie stets auch meine Stimme für die Wahl zur Bundeskanzlerin. Im Jahr 2014 übertrug sie mir auf Vorschlag meiner Landesgruppe die Aufgabe als Koordinator für die Transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt.

Ein Bundeskanzler löst bei Bürgern, bei Journalisten und in der Politik stets unterschiedliche Gefühle aus. Doch unbestritten bei Anhängern wie Gegnern ist ihre hohe Intelligenz und ihre Fähigkeit, Vorgänge bis ins Detail zu durchdenken und Entscheidungen sorgfältig abzuwägen. Auf manche Anhänger dominanter Kanzlerpersönlichkeiten, wie es zum Beispiel Kohl und Schröder waren, wirkt dies gelegentlich abwartend. Doch eine Bundeskanzlerin, die in diesen schwierigen Zeiten lieber zwei Mal überlegt, bevor sie eine unbedachte Entscheidung trifft, tut uns gut. Die Methode Merkel tut Deutschland und der Welt gut.

Und wenn es darauf ankommt, kann sie uns alle immer wieder überraschen: So zum Beispiel bei der Präsentation der neuen Generalsekretärin und ihres neuen Bundeskabinetts, das alle diejenigen, die ihr vorwerfen, sie denke nicht an ihre Nachfolge, Lügen straft. Die erfolgreichen Bundesminister Thomas de Maizière, Johanna Wanka und Hermann Gröhe hätten es verdient, ihre Arbeit fortzusetzen. Doch ein Signal der Erneuerung geht nicht ohne Veränderungen, die persönlich schmerzhaft sind. Ebenso hätte ich mir gewünscht, dass Ralf Brauksiepe Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium geblieben wäre. Doch dass Peter Tauber nach all den Anstrengungen der vergangegen Jahre auch ein guter Parlamentarischer Staatssekretär sein wird, erwarte ich sicher.

 

Foto: © Bundesregierung/Steins