Praktikum

Regelmäßig nehmen junge Bürgerinnen und Bürger aus meinem Wahlkreis die Gelegenheit wahr, in meinem Abgeordnetenbüro im Deutschen Bundestag in Berlin ein Praktikum zu absolvieren.

 

Praktikumsbericht von Patrick Häuser

Welche Wege nehmen Gesetzentwürfe und Anträge? Wer hat welche Interessen und Einflussmöglichkeiten? Wie schwierig sind Mehrheiten zu organisieren? Fragen, die mich durch mein Studium der Politikwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal begleiteten und bereits im Hörsaal spannend waren, wollte ich gern mit lebendiger Praxis füllen. Der Deutsche Bundestag – das viel zitierte „Herz der deutschen Demokratie“ – schien mir dafür der richtige Ort zu sein.

So führte mich der europapolitische Schwerpunkt meines Studiums schließlich in das Hauptstadtbüro des Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt, den ich sechs Wochen lang bei seiner Arbeit begleiten und unterstützen durfte. Dort angekommen wurde ich von Herrn Hardt und seinen Mitarbeiterinnen sehr freundlich empfangen und in meine Arbeit eingewiesen.

Fraktionen, Abgeordnete, Organe und ihre vielen unterschiedlichen Wirk- und Arbeitsweisen – auch mit viel Theorie im Rücken musste ich mir allerdings erstmal einen Überblick verschaffen, denn der Berliner Politikbetrieb ist eigener Kosmos mit eigener Sprache. Viel Zeit blieb dazu allerdings nicht. Gleich vier Sitzungswochen warteten in der vor der parlamentarischen Sommerpause grundsätzlich sehr ereignisreichen Zeit auf mich. Das bedeutete aber auch eine Menge Abwechslung: Ich besuchte Ausschusssitzungen, Anhörungen und Arbeitsgruppen und berichtete per Vermerk an den Abgeordneten und seine Referentinnen. Ich bereitete die mediale Berichterstattung auf und unterstützte die Pressearbeit, beantwortete Bürgeranfragen zu unterschiedlichen Themen und auch der anstehende Wahlkampf verlangte bereits nach ersten Vorbereitungen. Zum Tagesgeschäft gehörte es deshalb, sich immer wieder kurzfristig in neue, oft sehr interessante Themen einzuarbeiten, Hintergründe zu recherchieren und Informationen zu liefern.

Zudem ermöglichte mir das Team freundlicherweise die Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen, darunter Pressekonferenzen zu aktuellen politischen Entwicklungen oder an fraktionsinternen Workshops, etwa zum Thema „politische Kommunikation im Netz“ sowie den Besuch von Plenarsitzungen, wo ich manche hitzige Debatte verfolgen konnte.

Armenien-Resolution, CETA, NATO-Gipfel – begleitet wurde mein Praktikum beinahe durchgehend von spannenden Entwicklungen in der Außen- und Europapolitik. Als unangefochtenes Highlight in diesen Wochen wird mir jedoch der 24. Juni in Erinnerung bleiben. Als um 6 Uhr der Wecker klingelte, kündigten die Eilmeldungen auf meinem Smartphone einen historischen Tag an: „Großbritannien stimmt für den EU-Austritt.“ Kurz darauf traf ich Herrn Hardt auf der Plenarsaalebene des Reichstagsgebäudes, wo er und Abgeordnete aller Fraktionen Statements für die Hauptstadtpresse abgaben, britische Korrespondenten teilweise ungläubig die Entwicklungen auf den Finanzmärkten verfolgten, eifrig Verbindung in ihre Heimatredaktionen hielten und Meldungen verfassten – Geschichte live. Ich begleitete Herrn Hardt zu einigen Interviewterminen und hatte so die Möglichkeit, bei verschiedenen Sendern, darunter Phoenix und BBC, hinter die Kulissen der politischen Berichterstattung zu blicken.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – so lässt sich meine Zeit hier im Bundestag gut zusammenfassen. Ich blicke auf spannende Wochen zurück und danke Herrn Hardt und seinen Mitarbeiterinnen sehr herzlich dafür, dass ich sie in diesen ereignisreichen Wochen unterstützen durfte. Ich reise mit vielen interessanten Eindrücken und frischem Wissen zurück ins Bergische Land und komme gerne wieder.

Patrick Häuser